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Mahlzeit_small

Ich freue mich auf den schön gedeckten Tisch,
ein schmackhaftes Essen erwartet mich,
verlockender Duft gerät in meine Nase,
meine Stimmung steigt, ich setze mich, bereit
die Mahlzeit zu genießen,
aber
kaum stehen die dampfenden Schüsseln auf dem Tisch,
kaum habe ich den ersten Bissen gekostet,
kaum wollte ich mich am Essen erfreuen,
kaum wollte ich ein Lob aussprechen,
dann
geht es los:
in allen Einzelheiten erfahre ich,
wann das Fleisch gekauft wurde,
wo, um wieviel Uhr, zu welchem Preis,
dass die Menge viel zu viel sei,
aber trotzdem alles zu verwenden, kein Problem
in den nächsten Tagen,
das Rezept sei ganz einfach,
mache überhaupt keine Arbeit,
sei gerne zubereitet, ganz ehrlich, ganz bestimmt,
alles ohne Schwierigkeiten,
wirklich gern gekocht,
aber:
schmeckt es dir nicht,
du isst ja gar nichts, magst du das etwa nicht,
ah, du kennst das nicht, noch nie gegessen,
unglaublich, dabei so einfach zum  Zubereiten.
Ich protestiere, höflich zuerst, verzweifelt,
gewiss, es schmecke vorzüglich, hervorragend.
Ich übertreibe, höflich, schätze die Einladung,
weiß, was mir erspart bleibt,
stundenlanges Stehen in der Küche,
Tisch decken, servieren, abservieren, aufräumen.
Ich würde gerne das arbeitslos errungene Essen genießen,
wäre da nicht ständig diese unterschwellige Aufforderung
übermäßiges Lob zu spenden.
Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise, alles gelungen
bis auf Kleinigkeiten:
es fehlt ein Quäntchen Aufmerksamkeit,
eine Prise Verständnis,
eine Messerspitze Humor,
ein Löffelchen Interesse,
ein Tropfen Teilnahme
ob ich noch Salz brauche,
nein danke,
mein Magen ist übersatt,
trotzdem stehe ich auf vom Tisch,
habe gegessen, getrunken
und doch
mein Heißhunger nach echter Zuwendung
ist geblieben
und ich weiß mir kein Rezept, ihn zu stillen.
Du?

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