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Liebe Leserinnen, lieber Leser, hier veröffentliche ich einzelne Kapitel aus meinem Buch “Wish you were here – Hilferuf einer Lehrerin“.

Kapitel 9 – Lichtblicke

Unterricht in fremden Klassen, Vertretungsstunden für erkrankte Kollegen übernehmen und feststellen können: Es gab sie auch, freundliche Schüler, die einem das Gefühl vermittelten, an der richtigen Stelle zu sein, die das Lehrer-Sein sinnvoll erscheinen ließen.

Womöglich konnte ich doch mit Kindern umgehen? In meiner Klasse war ich mir dagegen längst nicht mehr sicher, ob ich für den Lehrerberuf geeignet war.

„Das hat Spaß gemacht.“ Schüler einer fremden Klasse

Der Fachunterricht in einer neunten Klasse erschien mir als Erholung im Gegensatz zu meiner Klasse. Auch wenn dort nicht alles glatt verlief, gab es genügend Schüler, die sich am Unterricht beteiligten, ohne einen Großteil ihrer Energie auf die Bekämpfung der Lehrerperson zu verschwenden.

Aber auch in meiner, als so schwierig erlebten Klasse, erlebte ich immer wieder einzelne wertvolle Stunden, die weitgehend störungsfrei verliefen und mir Hoffnung gaben auf bleibende Besserung der Situation.

Mir war klar, dass ich den Blick auf einzelne Schüler richten musste, auf jene, die noch bereit waren, mit mir zu arbeiten. Große Gefahr spürte ich in der in mir aufkeimenden Bitterkeit, die sich immer häufiger bemerkbar machte. An manchen Tagen empfand ich alles als aussichtslos. Einige wenige Schüler aber brachten mich immer wieder dazu, nicht aufzugeben, durchzuhalten, um wenigsten ihnen die Zeit in der Schule angenehm zu gestalten und ihnen die Gewissheit zu vermitteln, sie lernten täglich Neues dazu und vor allem, dass Lernen Freude machen konnte.

Gespräche mit Kindern, die sie freiwillig mit mir führten, in der Pause oder vor bzw. nach dem Unterricht. Gespräche als Vertrauensbeweis.

Lernen macht Spaß. Manchmal gelang es mir, meine eigene Freude und meine Begeisterung auf die Kinder zu übertragen. An solchen Tagen verwandelten sich die Schüler, schlüpften gekonnt und fasziniert in fremde Rollen, erlebten die Römerzeit, fühlten sich als Herrscher, Sklaven, Soldaten, Handwerker, Bauern und Händler, tauchten ohne Scheu ein in eine vergangene fremde Welt, versetzten sich scheinbar mühelos in eine weit zurückliegende Zeit, ließen sich faszinieren, herausreißen aus ihrer stumpfen Gleichgültigkeit. An solchen Tagen war ich glücklich.

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