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Liebe Leserinnen, lieber Leser, hier veröffentliche ich einzelne Kapitel aus meinem Buch “Wish you were here – Hilferuf einer Lehrerin“.

Kapitel 7 – Alles nur Spaß?

Weihnachtsferien. Ein Jahr ging zu Ende. Silvester. Gedankenverloren stand ich in der Küche und hörte durch das geöffnete Fenster Kinderstimmen. „Das wird krachen“. Noch dachte ich mir nichts dabei. Dann der erste Knall. Wieder die Stimmen. Noch ein Knall. Plötzlich fiel es mir ein: Bei meinen Eltern war der Briefkasten auf diese Art zerstört worden. Ich hastete ins Treppenhaus und Rauch qualmte aus meinem Briefkasten, Brandgeruch breitete sich aus. Alles nur Spaß? Ein übler Scherz oder ein Racheakt? Was brachte die Kinder dazu, mir diese Knaller einzuwerfen? Ich schwankte zwischen Lachen und Wut. Hassten sie mich wirklich so? Was hatte ich ihnen getan? Was störte sie so an mir?

Mein größter Fehler war wohl Lehrer zu sein. Lehrer, das ist der Feind, Lehrer, das ist kein Mensch mit Gefühlen. Lehrer fordern von Schülern Leistungen und soziales Verhalten, Lehrer erzeugen so Unmut, also sind Lehrer schlecht. Sie bringen die Eltern dazu, dass sie von ihren Kindern verlangen, etwas für die verhasste Schule zu tun, sie sorgen für Ärger zwischen Eltern und Schülern, denn sie sind es, die die Mitteilungen und Verweise schreiben, sie allein verderben den Schülern das sorglose Leben, das Leben ausschließlich nach dem Lustprinzip. Lehrer also als die Verkörperung des Bösen. Du kannst noch so freundlich und hilfsbereit sein, du bist Lehrer und hast somit kein Recht auf faire Behandlung, du darfst beschimpft und beleidigt werden, du als der Verursacher aller Probleme mit denen die Schüler kämpfen, du darfst gnadenlos verletzt werden.

Ein Jahr darauf. Wieder Silvester. Am Neujahrstag eine böse Überraschung: Ein frischer Kratzer an der Seite meines Autos. Mutwillige Sachbeschädigung. Ich war mehr betroffen als wütend. Dieser Kratzer traf mich, mein Inneres. Betroffenheit über das Verhalten der Kinder. Bewusst fremdes Eigentum zu beschädigen, bewusst am Eigentum des Lehrers Gewalt ausüben. Sie wollten mich treffen als Person und sie hatten mich getroffen.

  „Nehmen Sie es nicht persönlich.“ Meine Kollegen

Faschingsdienstag. Wieder ein Knaller im Briefkasten und das Wort „Hure“ auf dem Briefkastendeckel. Persönliche Beleidigung.

  „Ich hasse Sie. Sie sind schuld am Ärger mit meinen Eltern.“ Boris

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