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Und wieder an Gräbern stehn
wie jedes Jahr
und wieder vor lauter Gräber
nichts als Namen sehn,
gepresst in Stein oder Holz,
geboren, gestorben, alles klar ablesbar,
gelebt aber, wie und wofür,
gehofft worauf, gebangt um, sich gefreut über,
geträumt von, geliebt  oder gehasst von wem,
wir wissen es nicht,
wir werden es nicht mehr wissen
zu lange haben wir gewartet, oft
zu wenig haben wir gefragt, manchmal
zu viel haben wir versäumt, fast immer
was also bleibt zu tun
Gräber pflegen,
nachträglich
Gräber schmücken,
an gewissen Tagen
Gräber besuchen,
in gleichen Abständen
kann das alles sein
mit starren Gesichtern unzählige Menschen um mich,
erkennen nicht den wahren Augenblick,
fühlen nicht unsere Gemeinsamkeit,
schenken sich kein Lächeln, kein Wort,
lassen ihre Blicke stumm über Gräber kreisen,
kontrollieren, vergleichen, werten,
erkennen nicht, was wichtig wäre,
jetzt aufeinander zu warten,
jetzt einander zu fragen,
jetzt miteinander zu leben
in diesem Meer von Menschen, dieser Kälte von Gleichgültigkeit
möchte ich nicht ertrinken
ich gehe

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